Gewinner Care4-a-better-Life² Award: „Gemeinsam leben, lernen und wachsen – Generationen im Internat“

13. April 2026

Wie kann Bildung nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Gemeinschaft stärken und Generationen verbinden? Das Gewinnerprojekt der Maison Familiale Rurale du Clunisois in Burgund zeigt eindrucksvoll, wie genau das gelingen kann – durch ein innovatives Konzept des intergenerationellen Zusammenlebens im Schulalltag.

Die Einrichtung gehört zum französischen Landwirtschaftsministerium und verfolgt seit jeher ein besonderes Ausbildungsmodell: Schulphasen im Internat wechseln sich mit praktischen Einsätzen in Betrieben ab. Fachliches Lernen und soziale Bildung gehen dabei Hand in Hand. Doch ein Projekt hebt dieses Konzept auf eine neue Ebene: Seniorinnen und Senioren leben zeitweise gemeinsam mit den Jugendlichen im Internat – nicht als Gäste, sondern als Teil des Alltags.

Lernen im Miteinander der Generationen

Unterricht, Mahlzeiten, Freizeit – all das wird gemeinsam gestaltet. Die Begegnung erfolgt auf Augenhöhe und schafft einen Raum, in dem Austausch, Vertrauen und gegenseitiges Lernen selbstverständlich werden.

Gerade für die Schülerinnen und Schüler, von denen viele mit Lernstörungen wie Legasthenie leben, entsteht so eine besondere Form der Unterstützung. Die Seniorinnen und Senioren begleiten sie im Unterricht, helfen individuell und geduldig – ohne den Ablauf zu stören. Gleichzeitig werden sie selbst wieder zu Lernenden, denn Lehrpläne und Methoden haben sich über die Jahre verändert.

So entsteht eine Lernumgebung, die individuelle Förderung, Verständnis und gegenseitigen Respekt miteinander verbindet.

Bildung, die wirkt

Die Auswirkungen dieses Ansatzes sind vielfältig und tiefgreifend:

Jugendliche entwickeln Empathie, Verantwortungsgefühl und Selbstvertrauen.
Ältere Menschen erleben Teilhabe, Wertschätzung und die Möglichkeit, weiterhin aktiv zu lernen und sich einzubringen.
Das pädagogische Team wird im Alltag spürbar entlastet und gewinnt zusätzliche Unterstützung.

Vor allem aber entsteht etwas, das im klassischen Bildungssystem oft fehlt: ein echtes Gefühl von Gemeinschaft.

Gemeinsames Leben über den Unterricht hinaus

Auch außerhalb des Klassenzimmers wächst das Miteinander. Nach dem Unterricht verbringen die Generationen Zeit miteinander, teilen Erfahrungen und gestalten ihren Alltag gemeinsam. Es entstehen Gespräche, Freundschaften und ein lebendiger Austausch, der weit über schulische Inhalte hinausgeht.

Ein besonderer Ort dafür ist der schuleigene Lehrbauernhof. Hier geben die Seniorinnen und Senioren ihr Wissen weiter, begleiten praktische Arbeiten und machen Landwirtschaft als gelebte Erfahrung begreifbar. Gleichzeitig profitieren sie von der Energie und Neugier der Jugendlichen.

Ein Modell mit Signalwirkung

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie sich mehrere gesellschaftliche Herausforderungen gleichzeitig angehen lassen: Einsamkeit im Alter, Bildungsungleichheit und fehlender Austausch zwischen Generationen.

Es baut Vorurteile ab, fördert Solidarität und stärkt das Verständnis füreinander. Vor allem aber macht es deutlich: Jede Generation hat der anderen etwas zu geben – die Erfahrung und Gelassenheit der Älteren ebenso wie die Kreativität und Offenheit der Jüngeren.

Schule als Lebensraum

Die Maison Familiale Rurale du Clunisois beweist, dass Schule mehr sein kann als ein Ort des Lernens. Sie wird zu einem Raum, in dem Menschen zusammenleben, voneinander lernen und gemeinsam wachsen.

Ein Gewinnerprojekt, das zeigt, wie Bildung, Gemeinschaft und gesellschaftlicher Zusammenhalt neu gedacht werden können – und das eindrucksvoll verdeutlicht: Gemeinsames Leben ist der Schlüssel zu nachhaltigem Lernen.

Mehr Informationen über das Projekt erhalten Sie über die Homepage von MFR du Clunisois. Die MFR benötigt dringend Spenden, um die Internatsräume für die Aufnahme älterer Menschen instand zu setzen.

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