Warum mobilisierende Pflege nicht wirklich ankommt – und was das für die Zukunft der Pflege bedeutet

Warum mobilisierende Pflege nicht wirklich ankommt – und was das für die Zukunft der Pflege bedeutet

18. Februar 2026

Der aktuelle Panorama-Bericht des NDR zeigt deutlich: Obwohl im deutschen Pflege­system seit einigen Jahren Anreize für eine mobilisierende und aktivierende Pflege im Pflegeheim geschaffen wurden, verpuffen diese Ansätze in der Praxis weitgehend. Diese Erkenntnis ist ein dringender Weckruf für Politik, Kostenträger und zivilgesellschaftliche Stiftungen – wie für uns, die Edgar und Nina Kummerfeldt Stiftung.

Mobilisierende Pflege – ein Ansatz mit großem Potenzial

Mobilisierende bzw. aktivierende Pflege setzt genau dort an, wo klassische Pflege häufig an ihre Grenzen gerät: Sie fördert nicht nur das „Versorgt-Werden“, sondern die Selbstständigkeit, Beweglichkeit und Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen. Ziel ist, Fähigkeiten so lange wie möglich zu erhalten oder sogar wiederzugewinnen – und so der Betroffenen mehr Lebensfreude und Autonomie zu ermöglichen. 

Dass dieser Ansatz nicht nur theoretisch sinnvoll ist, zeigen Beobachtungen aus Pilotprojekten und Studien: Aktivierende Maßnahmen können dazu beitragen, Fähigkeiten zu stabilisieren und sogar Pflegegrade zu senken, was auch Rückkehr in ein selbstständigeres Leben ermöglicht. 

Die Realität im Pflegealltag: Anreize verpuffen

Das Problem, das Panorama aufdeckt, ist ernüchternd: Zwar gibt es in der Pflegeversicherung Bonuszahlungen als Anreiz für Heime, mobilisierende Pflege umzusetzen und Pflegegrade von Bewohnerinnen und Bewohnern zu reduzieren – doch in der Praxis werden diese Boni kaum gezahlt. Heime nehmen diese Möglichkeit nur selten in Anspruch, weil:

  • die bürokratischen Hürden hoch sind,
  • die finanziellen Anreize im Verhältnis zum Aufwand unattraktiv erscheinen,
  • strukturelle Fehlanreize bestehen, die eher die „Versorgung“ statt die Rehabilitation und Mobilisierung belohnen.

Das Ergebnis: Viele Menschen in Pflegeheimen verfestigen ihre Abhängigkeit von Pflege – obwohl u. U. Verbesserung möglich wäre. Der ärztliche und pflegerische Alltag ist oft geprägt von Routine statt Ressourcenförderung und Lebensqualität.

Perspektive einer Stiftung: Warum wir uns engagieren

Für die Edgar und Nina Kummerfeldt Stiftung ist dieser Befund kein Grund zur Resignation, sondern zur gesellschaftlichen Verantwortung. Unser Engagement im Pflegebereich basiert auf zwei zentralen Überzeugungen:

  1. Menschenwürde und Selbstbestimmung gehören in den Mittelpunkt der Pflege.
    Pflege darf nicht nur „verwalten“, sie muss fördern – körperlich, geistig und sozial.
  2. Innovative pflegerische Ansätze brauchen politische und strukturelle Unterstützung, bevor sie flächendeckend wirken können.

Deshalb unterstützen wir gemeinsam mit der AOK Rheinland/Hamburg Pflegeansätze, die Prävention, Rehabilitation und Mobilisierung ernst nehmen – selbst dann, wenn diese noch nicht in der Regelversorgung verankert sind. Dies geschieht in Projekten, die zeigen: Mobilisierende Pflege funktioniert – wenn Rahmenbedingungen stimmen.

Was muss sich ändern?

Damit mobilisierende Pflege nicht nur ein schöner Begriff, sondern gelebte Realität wird, braucht es:

  • Bessere Refinanzierung und klare Anreize für Einrichtungen, die aktivierende Pflege wirklich umsetzen.
  • Vereinfachte bürokratische Prozesse, damit Boni auch tatsächlich ausgezahlt werden.
  • Politische Reformen, die Reha- und Mobilitätsförderung als festen Bestandteil der Regelversorgung etablieren.
  • Mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit von Pflege, Therapie, Medizin und Sozialarbeit.

Ein Aufruf zum Handeln

Die Panorama-Recherche macht eines klar: Das Potenzial mobilisierender Pflege wird bislang nicht ausgeschöpft – und damit versäumen wir eine Chance, Lebensqualität im Alter zu verbessern und gleichzeitig die langfristigen Kosten im System zu senken.

Als Stiftung werden wir uns weiterhin für Modellprojekte, wissenschaftliche Evaluationen und verbesserte Rahmenbedingungen einsetzen. Unser Engagement gilt den Menschen – ihren Fähigkeiten, ihrer Würde und ihrem bestmöglichen Leben in jeder Lebensphase.

Teilen auf:

Noch mehr News!